Externe: Linyan Fan

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Deutsch nach Englisch in China. Die L2 Englisch – noch ein Stiefkind im chinesischen DaF-Unterricht

Linyan Fan M.A.

Das Deutsche ist weltweit eine typische zweite Fremdsprache. Sie wird häufig nach Englisch gelernt bzw. gelehrt (vgl. Hufeisen, 2001, S. 648). Da die beiden Sprachen derselben Sprachfamilie angehören, kann der Rückgriff sich sowohl auf lernstrategische und kognitive Faktoren als auch stark auf sprachliche Aspekte beziehen. Dadurch wird es ermöglicht, dass das Deutschlernen durch Aktivierung des Lernpotenzials leichter und auf einer höheren Stufe begonnen werden kann (vgl. Hufeisen, 2003, S. 9).

Allerdings wird im asiatischen Sprachraum heiß diskutiert, ob und gegebenenfalls wie groß das Potenzial für Positivtransfers bei asiatischen Lernern von L2 Englisch nach L3 Deutsch ist. Merkelbach (vgl. 2003) und Kärchner-Ober (vgl. 2005) gehen davon aus, dass die ostasiatischen bzw. südostasiatischen DaF-Lerner schwache Kompetenzen in L2 Englisch haben, sodass das Deutschlernen dadurch eher negativ beeinflusst wird. Chen (vgl. 2005) wies hingegen durch ihre Untersuchung mit taiwanesischen Studierenden darauf hin, dass die Lerner beim Deutschlernen stark auf die erste Fremdsprache Englisch zurückgreifen und diese sich positiv auf deren L3-Spracherwerb auswirkt. Bislang ist die L3-Forschung auf dem Festland China aber noch ein völlig neuer Themenbereich, obwohl Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch seit mehr als 20 Jahren dort gelernt und gelehrt wird.

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich damit, wie Deutsch als zweite Fremdsprache nach Englisch im chinesischen Kontext gelernt und gelehrt werden soll. Ist es beispielsweise hilfreich, wenn chinesische Lerner beim Deutschlernen das neue Wissen an ihr Vorwissen in Englisch anknüpfen? Oder stört das Englischvorwissen das Deutschlernen gar? In meiner Forschung wird der Versuch unternommen, diese Fragen aus der Sicht von Lehrern zu beantworten. Die didaktischen Stellungnahmen und Überzeugungen von Lehrern basieren auf ihren individuellen professionellen Wissensbeständen, die zum Teil in der Aus- bzw. Fortbildung erworben wurden, zum Teil aber auch aus den jahrelangen Lehrerfahrungen stammen und zur Kognition gehören. Sie sind für die Weiterentwicklung der chinaspezifischen L3-Didaktik wertvoll. Außerdem stehen die Lehrer wegen der traditionellen chinesischen Kultur immer an der zentralen Stelle. Sie entscheiden, was und wie die Lerner lernen soll. Sie haben einen bedeutsamen Einfluss auf die Einstellung und das Verhalten der Lerner. Daher interessiere ich mich sehr dafür, welche Vorstellungen, Meinungen und Überzeugungen die Lehrer zur L3-Didaktik im chinesischen Kontext haben und durch welche Faktoren sie dabei vermutlich beeinflusst werden. Zunächst gilt mein Interesse der Erforschung der individuellen Sicht einzelner Deutschlehrer. Diese soll durch Interviews erforscht werden. Daraufhin vergleiche ich die Sichtweisen der Deutschlehrer und stelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede dar. Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, durch die möglichst detaillierte interpretative Beschreibung der individuellen Stellungnahmen der Lehrer grundlegende Spezifika der L3-Didaktik im chinesischen Kontext zu gewinnen, und dadurch zur Verbesserung und Weiterentwicklung der chinaspezifischen L3-Didaktik beizutragen. Das Forschungsergebnis bietet außerdem eine Grundlage für die zukünftige Lehreraus- und -fortbildung. Darüber hinaus ist es wünschenswert, weiterführende L3-Forschung in China anzuregen.